Russia Today Correspondent Resigns Over Coverage Of Ukrainian Plane Crash Es ist schon merkwürdig, wie die ameri... http://t.co/yTRQgLiyxX

Was ich noch sagen wollte … zu vorschneller Kritik an den Krautreportern

Ich habe bis­lang nichts Grö­ße­res zu den Kraut­re­por­tern geschrie­ben, weil sie mich bis­her inhalt­lich nicht erreicht haben. Ich fand die Videos und Texte, die ich so gese­hen habe, nicht über­zeu­gend. Des­we­gen habe ich mir auch kein Abon­ne­ment geholt, ein­fa­che Geschichte. Dabei habe ich nichts grund­sätz­lich gegen Abon­ne­ments, ich abon­niere die TV Spiel­film ja auch nur wegen der Kolumne von Oli­ver Kalk­ofe.

Nur habe ich bei den Kraut­re­por­tern nicht ver­stan­den, wieso der Online-Journalismus krank sein sollte – für mich war er im Grunde immer so, wie er sich gerade auf­führt – oder wie genau die Kraut­re­por­ter etwas hei­len wol­len. Aber gut: Klap­pern gehört zum Geschäft. Viel­leicht berei­tet man so irgend­je­man­dem einen Weg, den man dann für wich­tig hält.

Den­noch hat man wenig in der Hand, wenn man jetzt schon die Kraut­re­por­ter kri­ti­sie­ren möchte und das kann man auch an der Kri­tik von Chris­tian Anko­witsch [via] an Andrea Hanna Hün­ni­gers Text sehen: Es wird immer nur ein Stöck­chen kon­stru­iert, über das der Text dann fällt. Sei es, dass der Text angeb­lich falsch im Inter­net plat­ziert wor­den wäre, sei es, dass geschei­tert sei, eine kon­sis­tente These zu for­mu­lie­ren, sei es, dass Hün­ni­ger ein fal­sches Selbst­ver­ständ­nis habe.

Die ganze Kri­tik fällt damit, dass man ent­ge­gen­hält, es sei ein­fach nicht darum gegan­gen, was Anko­witsch unter­stellt: Es sei nicht um einen jour­na­lis­ti­schen Ein­trag gegan­gen, son­dern um einen per­sön­li­chen, die eige­nen Gefühle ange­hen­den Blog­bei­trag. Man kann an unter­schied­li­chen Stel­len im Inter­net in unter­schied­li­cher Funk­tion was schrei­ben, ohne dass man alles, was für die eine Stelle rele­vant ist, für die andere gel­ten las­sen. Ich kann sehr aus­ge­wo­gen und bedacht in Wis­sen­schafts­fo­ren etwas hin­ter­las­sen und wenig spä­ter in Fuß­ball­fo­ren mei­nem Lieb­lings­ver­ein fröh­nen, auch wenn beide Bei­träge unter­schied­lich for­mu­liert wer­den. Das ist über­haupt kein Pro­blem. Ich darf auch meine eigene Leser­schaft irri­tie­ren.

Man sieht sehr ein­fach: Die Kraut­re­por­ter jetzt schon zu kri­ti­sie­ren ist in gewis­ser Weise vor­schnell, denn noch hat man kaum etwas in der Hand, will man sie nicht über selbst­aus­ge­dachte Hür­den sprin­gen las­sen.

Wie gesagt: Mich hat die Idee der Kraut­re­por­ter bis­lang nicht über­zeugt, die Seich­tig­keit, die in Andrea Hanna Hün­ni­gers Text zu lesen ist, führt mich auch nicht dazu, wegen ihr ein Abon­ne­ment abzu­schlie­ßen. Aber das letzte Wort muss hier noch nicht gespro­chen sein.

Telefonat auf die Krim

Heute ist ein Tele­fo­nat mit dem Vater mei­ner Freun­din auf der Krim zustande gekom­men. Vor zwei Wochen war er noch opti­mis­tisch, dass sich die Tumulte auf der Krim bis zum Som­mer legen, so dass wir ihn pro­blem­los besu­chen könn­ten.

Das Blatt hat sich gewen­det. Inzwi­schen fürch­tet er um seine Exis­tenz­grund­lage. Er und seine heu­tige Frau arbei­ten für Unter­neh­men, die mit dem ukrai­ni­schen Staat in Ver­bin­dung ste­hen. Sie gehen davon aus, dass sie umge­hend Ihre Anstel­lun­gen ver­lie­ren, sollte die Krim an Russ­land fal­len. Russ­land würde sämt­li­che Auf­ga­ben auf der Krim an rus­si­sche Fir­men ver­ge­ben.

Die Krim selbst, die vom Fest­land abhän­gig ist, würde um den wirt­schaft­li­chen Fort­schritt der letz­ten 20 Jahre gebracht wer­den. Eine trost­lose Zukunft gerade für die jün­ge­ren Bewoh­ner der Krim, von denen es jetzt schon auf Grund der wirt­schaft­li­chen Lage nicht allzu viele gibt.

Bild aus glücklicheren Zeiten: Vater meiner Freundin (2.v.l.), meiner einer (4.v.l.)

Bild aus glück­li­che­ren Zei­ten: Freun­din mei­nes Vaters (2.v.l.), mei­ner einer (4.v.l.) im August 2013

Und den­noch miss­traut er den Umwäl­zun­gen in Kiew, zu viele Natio­na­lis­ten seien dort am Werk. Woher kommt die­ses tiefe Miss­trauen? Einer­seits wird Ukrai­nisch oft­mals als Bau­ern­spra­che ange­se­hen, die es mit dem Rus­sisch eines Pusch­kins, eines Dos­t­o­jew­skijs nicht auf­neh­men kann. Über­haupt wird nur an vier Schu­len auf der gan­zen Krim in ukrai­nisch unter­rich­tet. Zudem ist die rus­si­sche und frü­here sowje­ti­sche Pro­pa­ganda ein unge­mein gereif­tes Mit­tel.

Wir erfah­ren am heu­ti­gen Mann der Mut­ter mei­ner Freun­din, der frü­her in der Sowjet­union lebte und nun schon 25 Jahre in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten lebt, dass diese Pro­pa­ganda immer noch nach­hallt. Er werde nie­mals etwas Schlech­tes über die Sowjet­union sagen, er habe es damals gut gehabt. Kein Gedanke daran, wie es ande­ren erging. Kein Gedanke daran, dass es ihm so gut ging, weil sein Vater eine bedeu­tende Posi­tion inne­hatte. Da kann man ruhig ein­wen­den, es war kein Rechts­staat, die­ser Ein­wand ist sinn­los: Die Rede von einem Rechts­staat sagt ihm nichts. Ein Umzug von der Sowjet­union in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten war für ihn in staat­li­cher Hin­sicht ledig­lich ein Wech­sel der Fah­nen.

Die Krim ist nie in der Ukraine ange­kom­men, hat sich immer als auto­nom betrach­tet, man fühlt sich eher Russ­land als der Ukraine zuge­hö­rig. Der­zeit fühlt man sich eh schon ein­ge­nom­men mit den über­mäch­tig wir­ken­den rus­si­schen Sol­da­ten vor Ort, fühlt sich im Krieg, fühlt sich über­rum­pelt und aus­ge­lie­fert, sofern man nicht Freude über die schein­bare Zuge­hö­rig­keit zu Russ­land emp­fin­det.

Wie es wei­ter­geht, steht in den Ster­nen. Mög­li­cher­weise sieht meine Freun­din ihren Vater für lange Zeit nicht wie­der, mög­li­cher­weise ihre Groß­el­tern nie. Mög­li­cher­weise wird sie monat­lich knap­sen, um ihren Vater vor Ort über die Run­den kom­men zu las­sen.

Wir wer­den über­le­gen, falls Russ­land die Über­hand behält, ob die Fami­lie ihre Stief­schwes­ter nach Deutsch­land kom­men kann. Eine Zukunft, und das ist allen klar, wer­den ihre klei­nen Kin­der unter rus­si­scher Herr­schaft auf der Krim nicht haben.

Die Krim und das Völkerrecht

Da ich mich in mei­ner Uni-Abschlussarbeit mit dem Völ­ker­recht nach Kant beschäf­tigt habe, kann ich ja mal kurz die Lage auf der Krim in die­ser Hin­sicht erläu­tern. In phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht müsste grund­sätz­lich noch erklärt wer­den, wel­chen Stel­len­wert Begrün­dun­gen an sich haben, was eine Begrün­dung ist, wo und wie Begrün­dun­gen ver­an­kert wer­den usw. So weit gehe ich nicht zurück.

Das Völ­ker­recht [hierzu: Wiki­pe­dia] ist in phi­lo­so­phi­scher Hin­sicht – Kant ist mei­nes Erach­tens der ein­zige Phi­lo­soph, der das Völ­ker­recht begrün­det dar­legt – zunächst ein­mal ein aus dem Staats­recht not­wen­dig wer­den­des, aber unver­an­ker­tes Recht. Unver­an­kert, weil es keine Recht­spre­chungs­in­stanz für das Völ­ker­recht gibt. Hier­von geht Kant in Die Meta­phy­sik der Sit­ten aus. Das Völ­ker­recht ist zunächst schlicht das nach außen gewen­dete Staats­recht, ein Staat hat die Pflicht, die recht­li­che Ord­nung nach innen zu schüt­zen und ent­spre­chend nach außen. Laut Kant erwächst hier­aus das Recht zu krie­ge­ri­schen Hand­lun­gen, falls der eigene Staat ange­grif­fen, die eigene Rechts­ord­nung somit bedroht ist. Er muss laut Kant die not­wen­di­gen Mit­tel ergrei­fen dür­fen, d.i. Bür­ger als Sol­da­ten ein­set­zen, die er zur Erfül­lung sei­ner Pflicht braucht.

Ein Staat kann sich nach Kant durch einige Ereig­nisse bedroht füh­len: Mili­tä­ri­sche Auf­rüs­tung, Kriegs­er­klä­run­gen oder Belei­di­gun­gen. Letz­te­res ist sicher­lich ein sehr dis­ku­ta­bler Punkt, aller­dings wird er als Kriegs­grund mei­nes Wis­sens sel­tenst ange­führt.

Soweit die Theo­rie. Im aktu­el­len Kon­flikt um die Krim kann man fest­hal­ten: Russ­land ist nicht belei­digt wor­den, die Ukraine hat nicht mili­tä­risch auf­ge­rüs­tet, sie hat nie­man­dem den Krieg erklärt und ist auch sonst außen­po­li­tisch nicht andere Staa­ten ange­gan­gen. Russ­lands Vor­ge­hen ist ein ein­deu­ti­ger Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht, indem man mit Sol­da­ten in ein ande­res Land ein­ge­drun­gen ist. So ein Ver­hal­ten kann man als Kriegs­er­klä­rung wer­ten.

Was ich noch sagen wollte… zu Edathy und der Schuldfrage

Irgend­wie geht mir das Rum­ge­eiere der Medien zu aktu­el­len Affä­ren zuneh­mend auf den Zei­ger. Ges­tern sah ich die ZDF-Nachrichten und in der 19 Uhr Sen­dung und der nach­fol­gen­den Spe­zi­al­sen­dung hat man es nicht auf die Kette gekriegt, Ver­dachts­mo­mente, Unschulds­ver­mu­tung und Gerüchte aus­ein­an­der zu hal­ten.

Auch die FAZ gibt gerade die Mel­dung des SPIEGEL über ein Inter­view mit Eda­thy hält sich wei­ter­hin für unschul­dig wie­der, als ob das so etwas Unein­sich­ti­ges wäre – in recht­li­cher Hin­sicht gibt es ja der­zeit offen­bar über­haupt kei­nen Hin­weis einer Schuld.

Span­nend wird es bezüg­lich des Geheim­nis­ver­ra­tes: Zwar kann man Fried­rich wei­ter­hin vor­wer­fen, Geheim­nis­ver­rat began­gen zu haben, aber sofern Eda­thy nichts vor­zu­wer­fen ist, kann man wohl nie­man­dem die Ver­ei­te­lung der Straf­ver­fol­gung vor­wer­fen.

Einer­seits ist das Ver­hal­ten Eda­thys mora­lisch höchst dis­pu­ta­bel, aller­dings juris­tisch nicht straf­bar. Und auf die­ser Grund­lage dil­le­tan­tie­ren da Poli­ti­ker, Juris­ten und Jour­na­lis­ten um des­sen Kopf und Kra­gen. Unfass­bar.

Lauers Lüftchen

Ich habe diese aus Pira­ten­par­tei­rich­tung kom­mende Lanz-Petition nicht so recht ver­stan­den. Die Peti­tion, soweit ich ver­stan­den habe, rich­tet sich gegen die mas­sive Öffent­lich­keit, die die Contra-Lanz-Petition hat, ver­weist auf angeb­lich wich­ti­gere Dinge und meint, da das For­mat eine Show sei, sei nichts ande­res zu erwar­ten als Show, d.h. als so-tun-als-ob man es ernst meint.

Das glaube ich nicht. In den Talk-Shows fin­den Gesprä­che statt, auch mit Poli­ti­kern, und hier gibt es eine berech­tigte Erwar­tungs­hal­tung, dass man nicht rund­herum belo­gen wird.

Zudem schien mir auf den ers­ten Blick nahe­lie­gen­der, dass man selbst Öffent­lich­keit haben wollte:

Nun ja, bun­des­weit ist die Pira­ten­par­tei und auch Herr Lauer kaum noch in media­ler Behand­lung, sehr wohl noch in der Ber­li­ner Presse, aber da sit­zen sie ja auch im Abge­ord­ne­ten­haus. Eine andere Sicht­weise prä­sen­tie­ren da Mat­thias Dell:

“Der Ber­li­ner Pira­ten­po­li­ti­ker Chris­to­pher Lauer star­tete am Sams­tag im Netz eine Gegen-Petition mit dem Titel: ‘Mar­kus Lanz soll mal bitte seine Show so machen, wie er will, immer­hin ist er ja erwach­sen’, die bis Mon­tag­mit­tag ein paar hun­dert Per­so­nen unter­zeich­ne­ten. ‘Die Lanz-Debatte der ver­gan­ge­nen Tage ist doch etwas gro­tesk’, begrün­dete Lauer seine Initia­tive.’”
Dass ein Pira­ten­po­li­ti­ker so pseu­do­lo­cker medi­en­kon­ser­va­tiv argu­men­tiert, könnte man bei­nahe für eine Nach­richt hal­ten.

In der Tat – wenn die Pira­ten­par­tei bun­des­weit gerade noch in aller Munde wäre. Wobei ich es noch schlim­mer finde, medi­en­kon­ser­va­tiv bezeich­net zu wer­den als ten­den­ti­ell popu­lis­tisch.

Ist Promitrauer um Michael Schumacher passend?

Michael Schu­ma­cher ist ver­un­glückt und diese Nach­richt hat im Inter­net für eine Welle der Anteils­nahme, aber auch Kri­tik an die­ser Welle gesorgt. Sicher­lich gibt es unkri­ti­sche Kom­men­ta­to­ren, die sich über Trau­ernde unan­ge­mes­sen auf­re­gen, aber das bedeu­tet nicht, dass es hier keine sach­lich ange­mes­sene Kri­tik geben kann.

Aber zunächst: Die Rede von Stell­ver­tre­ter­trauer halte ich für falsch. Nie­mand trau­ert über den Unfall von Michael Schu­ma­cher, weil er über etwas ande­res nicht so trau­ern kann. Zumin­dest nie­mand, der nicht vor­be­las­tet ist. Jemand, der Stell­ver­tre­ter­trauer annimmt, müsste bei die­ser Argu­men­ta­ti­ons­ak­zep­tanz bei Take-That-Konzerten auch von Stell­ver­tre­ter­freude aus­ge­hen, sprich: Der aus­schlag­ge­bende Grund für die Emo­tion ist egal. Hier kann man anset­zen und sagen Emo­tio­nen sind eben nicht ratio­nal ange­legt, damit zer­stört man aber auch die Rede von Stell­ver­tre­ter­trauer.

Der Kern des Ansto­ßes bei sol­cher Pro­mit­rauer ist nicht, dass über­haupt getrau­ert wird, son­dern dass das Thema über­mä­ßig ange­gan­gen wird. Die Frage wäre, ob eine ratio­nale Ana­lyse Trauer aus guten Grün­den beein­träch­tigt. Wenn Michael Schu­ma­cher also ange­schos­sen wor­den wäre, erzeugt das einen ande­ren Mit­gleids­grund, als wenn er wie angeb­lich gerade, durch Risi­ko­ver­hal­ten sein Leben aufs Spiel setzt?

Ich habe mich dazu öffent­lich nicht posi­tio­niert, weil ich allen selbst über­lasse, wie sie mit dem Thema umge­hen möch­ten. Ich würde aller­dingts Leute aus mei­ner Time­line feu­ern, wenn sie nur noch rum­heu­len wür­den. Was ich aber offen­sicht­lich finde, dass Medien wie RTL das Thema gro­tesk ver­feh­len, wenn sie einen Groß­teil ihrer “Nach­rich­ten” mit Spe­ku­la­tio­nen um den Unfall und die Betei­lig­ten an Hand ver­wen­den und zwei Kor­re­spon­den­ten am unter­schied­li­chen Orten in Frank­reich vor die Kamera stel­len, die sagen, bis­her könne man nichts Genaues sagen. Da wird nicht Jour­na­lis­mus betrie­ben, son­dern es wer­den Emo­tio­nen aus­ge­schlach­tet.

Genau das kann man eini­gen Trau­ern­den sicher­lich auch ankrei­den. Aber ver­bo­ten ist das nicht. Und viel­leicht sollte man sich nicht mal öffent­lich dar­über auf­re­gen.

Ich bin geistig krank

In Deutsch­land hat man das Recht, Tele­dienste anonym zu ver­wen­den. Bei anony­men Publi­ka­tio­nen weiß man aller­dings nie mit letz­ter Sicher­heit, ob jemand, der anonym etwas ver­öf­fent­licht, diese Ver­öf­fent­li­chun­gen erfun­den hat oder nicht. Der­zeit gibt es ein Auf­se­hen erre­gen­des Blog eines angeb­lich Mitz­wan­zi­gers, der seine Jugend als Mit­glied der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Zeu­gen Jeho­vas anonym beschreibt:

Das Fazit ist das glei­che wie immer. Jehova ist super, sagt Jehova, und wenn wir das, was in der Bibel steht, tun, kom­men wir ins Para­dies. Sagt Jehova. Viel mehr ent­nehme ich der Bibel nicht.

Der Name des Blogs, Geis­tig krank, resul­tiert aus der angeb­li­chen Unter­stel­lung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, dass Abtrün­nige von den Zeu­gen Jeho­vas als geis­tig krank bezeich­net wer­den. Beim Lesen des Blogs fällt die sprach­li­che Bril­li­anz des Autors auf, die Texte lesen sich wie ein span­nen­der Roman.

In man­chen Ver­samm­lun­gen traf man auf eine Aus­wahl der klei­nen Pro­phe­ten samt aller Apos­tel. Und natür­lich min­des­tens eine Sarah. Grob geschätzt hieß jedes dritte Mäd­chen Sarah. Auf gro­ßen Kon­gres­sen musste man glatt durch­num­me­rie­ren. Einen Vor­teil hatte diese Namens­pra­xis. Anhand der Vor­na­men konnte man ganz gut erken­nen, wer “in der Wahr­heit” auf­ge­wach­sen war und wer (oder wes­sen Eltern) Konvertit(en) war(en). Das mag zunächst unwich­tig erschei­nen. Aber als ZJ-Jugendlicher wurde man regel­mä­ßig dazu ermun­tert, bei einem poten­ti­el­len Ehe­part­ner auf sei­nen Eifer zu ach­ten. Ein bib­li­scher Vor­name war da schon mal gar nicht so schlecht – zumin­dest, wenn man die Ange­be­tete den Eltern vor­stellte.

Ob wahr­heits­ge­treu oder nicht, in jedem Fall eine Lese­emp­feh­lung: geistigkrank.wordpress.com.

Journalistische Ausbeutung oder: Die hässliche Seite des amerikanischen Traums

Es war zu erwar­ten, dass der deut­sche Able­ger der Huf­fing­ton Post ebenso wie in ande­ren Län­dern auch in Deutsch­land das Geschäfts­mo­dell ein­set­zen möchte, Schrei­bern von Arti­keln nichts für ihre Arbeit zu bezah­len. Das ist wohl auch genauso ein­ge­tre­ten, wie die­ser Link klar macht. Dem kann man direkt nichts bes­ser ent­ge­gen­set­zen als der letzte Kom­men­ta­tor die­ses Arti­kels bei der Huffpo: Don’t write for free!

Es ist nichts ande­res als die häss­li­che Seite des ame­ri­ka­ni­schen Traums: Das vage und ohne Ver­ant­wor­tung aus­ge­spro­chene Ver­spre­chen, dass man für die geleis­tete Arbeit mög­li­cher­weise in der Zukunft etwas gewinnt, wäh­rend der Traum­ver­spre­cher direkt sei­nen Gewinn dar­aus zieht. Und die Leute, die so etwas betrei­ben sind mora­lisch schon so ver­küm­mert, dass sie keine Skru­pel in die­sen Din­gen mehr ken­nen.

Macht doch jeder. Funk­tio­niert doch prima in Ame­rika, dann kann es woan­ders nicht falsch sein. Kann es doch.

Konzert: Christian Steiffen, 9.8.2013, Damme

Es ist schon etwas her, dass ich in Damme gewe­sen bin. Es muss so Mitte-Ende der 90er gewe­sen sein. Damals fan­den dort die schu­li­schen Tage reli­giö­ser Ori­en­tie­rung, eine für viele eher alko­ho­li­sierte Selbst­fin­dung, statt. Außer­dem ist Damme ja für seine Kar­ne­vals­ver­an­stal­tung bekannt, aber des­we­gen bin ich dort nie hin­ge­fah­ren. Als ich hörte, dass Chris­tian Steif­fen dort auf­tritt, dann sah, dass der Ein­tritt bei 5€ liegt, war das Hin­fah­ren eine aus­ge­machte Sache.

Aller­dings war die Hin­fahrt schon ein­stim­mend, denn die Weg­be­schrei­bung der Rah­men­ver­an­stal­tung “Kunst hält Hof” ging etwa so: Bis zur Huf­ei­sen­straße, dann noch einige hun­dert Meter und Kur­ven. Kein Ori­en­tie­rungs­punkt, keine wei­tere Rich­tung, nüscht. Einige hun­dert Meter über Kur­ven hin­weg inmit­ten von unun­ter­scheid­ba­ren Wie­sen und Fel­dern. Man hätte auch Han­no­ver so aus­wei­sen kön­nen. Ich bog ein­fach am Ende der Straße links ab und fand auf gut Glück eine Reihe abge­stell­ter Autos. Das konnte in Damme an einem Frei­tagsom­mer­abend wohl nichts ande­res sein.

Sicher­heits­hal­ber frag­ten wir am Ein­gang einer Scheune, ob hier die Musik spiele. Man lachte, stem­pelte unsere Hand­ge­lenke und wir manö­vrier­ten uns über den Bau­ern­hof zu einer Men­schen­an­samm­lung, ja, wie soll ich sagen –

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Ken­nen Sie so Tat­orte oder alte TKKG-Folgen, bei denen eine Gar­ten­party kunst­af­fi­ner Bil­dungs­bür­ger ein­ge­baut wird, und man das Gefühl hat, für pas­send viele Kom­par­sen war wohl kein Geld da? Ich dachte ja, sol­che Par­tys seien reine Erfin­dun­gen für’s Fern­se­hen. So eine Party war das. Das dies ein groß­ar­ti­ger Abend wer­den würde, stand schon jetzt fest.

Vor mir stand ein jun­ger Mann mit Kame­raum­ge­hänge. Das musste die Lokal­presse sein. Ich fragte ihn gera­de­r­aus, ob er von der NOZ mir erklä­ren könnte, wieso hier nicht so viel Publi­kum sei. Das war schon mal ein Tief­schlag. Er kam gar nicht von der NOZ. Er kam von der OV, der Olden­bur­ger Volk­zei­tung, der Zei­tung für’s Olden­bur­ger Müns­ter­land. Und erklä­ren durfte dann ich ihm, wer Chris­tian Steif­fen ist, dass er OB-Kandidat in Osna­brück sei, dass zwei Filme mit sei­ner Musik im Herbst star­te­ten, dass hin­ter uns ein Regis­seur stünde, der gleich für ein Musik­vi­deo mit­filmte.

Viel wei­ter kamen wir gar nicht, denn der Gast­ge­ber schwang sich auf die Bühne, meinte, reden könne er gar nicht, und stellte dann die ein­zel­nen Künst­ler und ihre Kunst­form vor, und wo man hier auf dem Bau­ern­hof ihre aus­ge­stell­ten Werke fin­den könne. Gegen die Situa­ti­ons­ko­mik des Länd­li­chen hat man, wenn man zuhört, dann auch keine Chance mehr:

Ja, die X macht dies und das und sie hängt dort in der hin­te­ren alten Scheune an der Wand mit den Schwei­nen.

Spä­tes­tens jetzt hätte es mich nicht mehr ver­wun­dert, wenn Inga Lür­sen um die Ecke genör­gelt wäre. Statt­des­sen kam der­je­nige, auf den die meis­ten gewar­tet hat­ten, mit Barcadi-Cola aus­ge­stat­tet auf die Bühne

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und hatte sein Publi­kum, das sich um die Bühne ver­sam­melt hatte, und nach direk­ter Anspra­che auch die sit­zen­ge­blie­be­nen Pro­vinz­kunst­in­ter­es­sier­ten, voll im Griff:

Chris­tian Steif­fen ist ein Geschenk für Osna­brück.

Für’s Umland natür­lich auch. Die Schla­ger­par­odie mit maf­fay­schen Anklän­gen ist einer­seits die gewählte und inzwi­schen schon fast gelebte Aus­drucks­form des Künst­lers Hardy Schwet­ter. Hinzu kommt aller­dings auch die Per­sön­lich­keit Schwet­ters, der unge­mein char­mant und dis­zi­pli­niert auf­tritt, d.h. nie aus sei­ner Rolle fällt, und trotz der zur Schau gestell­ten Selbst­ver­liebt­heit der Figur Chris­tian Steif­fen nie ver­birgt, wie aus­nahms­los respekt­voll und höf­lich er seine Umge­bung behan­delt.

Was ich damit meine, sieht man am bes­ten in einem Video, das wäh­rend des Kir­chen­ta­ges auf­ge­zeich­net wurde: Darin trollt Schwet­ter als Elvis-Parodie durch die belebte Osna­brü­cker Innen­stadt. Als ein klei­ner Junge ihn anhält und wiss­be­gie­rig fragt, wer denn Elvis über­haupt sei, geht Schwet­ter gleich auf Augen­höhe zum Jun­gen in die Knie, nimmt die große, bunte Brille ab und ver­sucht ohne den Akzent der eigent­lich gespiel­ten Figur in ein­fa­chen Wor­ten die Frage pas­send zu beant­wor­ten. Ein rich­tig gro­ßer Moment.

Eine Stunde lang ver­zau­bert Chris­tian Steif­fen an die­sem Abend die über­rasch­ten Kunst­in­ter­es­sen­ten und ver­sorgt gleich­zei­tig die Bloß­kon­zert­teil­neh­mer teils mit Par­ty­spaß und Par­ty­bal­sam, denn es fin­den sich auch ein­ge­fleischte Schla­ger­lieb­ha­ber am Büh­nen­rand. Chris­tian Steif­fen ist eben einer für alle. Oder um es mit sei­nen Wor­ten zu sagen: Ich für Uns.

[ Chris­tian Steif­fen und das Ori­gi­nal Haseland-Orchester, aktu­elle Tour: "Ich komme!", auf der Ver­an­stal­tung "Kunst hält Hof", Damme, 9. August 2013, etwa 160 Zuschauer ]

How to: Einkaufen bei Saturn

Bis­lang habe ich ja noch jeden E-Book-Reader irgend­wann ver­lo­ren. Nun ist mir wie­der mein zwei Jahre altes Schätz­chen abhan­den gekom­men. Und da ich vor etwa zwei Wochen mei­ner Tante einen 39-Ocken-Reader geschenkt hatte, dachte ich, ich gehe mal wie­der fix zu Saturn und schaue, ob das gute Ding da noch vor­han­den ist.

Ich sehe also im Osna­brü­cker Saturn den­sel­ben Rea­der und gehe auf einen Mit­ar­bei­ter, der gelang­weilt am Com­pu­ter rum­klickt, um zu fra­gen, ob das der Rea­der sei, der vor kur­zem für 21€ weni­ger ange­bo­ten wor­den wäre. Der Rea­der damals sei ein Rest­pos­ten gewe­sen, das Ange­bot sei vor­bei, meinte der Preis­an­sa­ger, ohne den Blick vom Moni­tor abzu­wen­den. Ein Ver­kaufs­ge­spräch wollte mir der zumin­dest nicht auf­drän­gen. Ich ging.

Daheim googlete ich mal nach den aktu­el­len Prei­sen. Bil­ligs­ter Preis: 39€, Saturn, plus Ver­sand­kos­ten. Aber auch vor Ort aus­hän­dig­bar. Dann ohne Ver­sand­kos­ten.

Ich lasse mir den jetzt ein­fach mal in Osna­brück hin­ter­le­gen und frage den Preis­an­sa­ger von heute, ob er mir den aus­hän­di­gen kann. So geht Ein­kau­fen bei Saturn.

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