Gute Nacht da draußen, wo immer ihr auch seid.

Giovanni di Lorenzos Altherrengespräche

Erst hat er ein Interview-Buch mit Hel­mut Schmidt ver­öf­fent­licht, nun kommt eins mit Ex-Bundesverteidigungsminister Gut­ten­berg: Gio­vanni di Lorenzo eta­bliert sich als erste Adresse für Poli­ti­ker­ge­sprä­che auf Homestory-Niveau. Man weiß gar nicht, ob man das gut oder schlecht fin­den sollte.

In der aktu­el­len Aus­gabe der ZEIT fin­det sich ein durch­aus impo­san­tes mehr­sei­ti­ges Inter­view di Loren­zos mit Gut­ten­berg [Zusam­men­fas­sung]. Es soll den Ex-Minister reha­bi­li­tie­ren, so lange noch etwas von sei­nem eins­ti­gen media­len Schein auf ihn fal­len kann. Das kann man zumin­dest dem Inter­view­ten ankrei­den. Beim Inter­viewer sieht das aller­dings anders aus: Schon bei sei­nen Anmer­kun­gen zu den Schmidt-Interviews hob er immer wie­der her­aus, was für ein Stil der gan­zen Labe­rei inne­wohnte: Wie Hel­mut Schmidt durchs Haus kommt, wie er raucht, wie er Pau­sen macht. Di Loren­zos Auf­gabe bei die­sen Inter­views ist nur eine: Die Rede unter­stüt­zen­des Rezi­pie­ren. Es ist kein Streit­ge­spräch, kein Dis­kurs auf glei­cher Höhe, son­dern immer nur ein Ver­such auf die ver­meint­li­che Höhe zu sprin­gen. Es ist das Cof­fee & Ciga­ret­tes des Feuille­ton, ein Alt­her­ren­ge­spräch, des­sen ein­zige Ambi­tion das Reflek­tiert­wer­den ist. Irgend­wie ver­wun­der­lich, dass sich noch nie­mand bei der BUNTE beschwert hat, dass ihr Kon­zept so plump abge­kup­fert wird.

Das­selbe Strick­mus­ter wen­det di Lorenzo bei Gut­ten­berg an: Den Pla­gia­tor reden las­sen, ein paar Ein­wände, aber nicht zu viele, es soll ja kein Streit­ge­spräch wer­den. Di Lorenzo ent­wi­ckelt keine eigene Posi­tion, spielt zumin­dest nicht den intel­lek­tu­el­len Gesprächs­ge­gen­part, und da stellt sich eigent­lich schon die Frage: Was soll das Ganze? Kann die Lorenzo nicht anders? Hat er nur sein Blatt im Auge, das nun erste Adresse für Poli­ti­ker­ho­mes­t­o­ries von rechts wie links ist? Das wäre ohne Frage schon ein gewis­ses Pfund für die ZEIT.

Aber wenn man nun ein­mal das Inter­view mit Gut­ten­berg kri­tisch beäugt, kann man eben auch fest­stel­len: Gut­ten­berg alleine kann das Gespräch nicht son­der­lich inter­es­sant gestal­ten: Plumpe Behaup­tun­gen, aber auch keine ernst­haft bemer­kens­wer­ten Pro­vo­ka­tio­nen. Keine rheo­tri­sche Finesse, nur ein Kontern-ins-Off auf Zwi­schen­be­mer­kun­gen von di Lorenzo. Keine Größe, keine poli­ti­sche Stel­lung­nahme, die erhel­lend ist. Lang­wei­lig ist das Gerede.

Das Inter­view zeigt: Gut­ten­berg strahlt nicht. Zumin­dest nicht ohne die Schein­wer­fer der Medien. Und viel­leicht sollte man di Lorenzo für diese Dar­stel­lung schon wie­der dank­bar sein.
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Eine Inter­vie­wan­frage des Deutsch­land­ra­dios über die Rolle der ZEIT beim Relaunch Gut­ten­bergs lehnte di Lorenzo nach Anga­ben des Deutsch­land­ra­dios ab. || Ulrich Horn sieht die Sache ähn­lich.

Kristina Schröders alberne Extremismusklausel

CDU und CSU muss man wohl noch erklä­ren, was an der Extre­mis­mus­klau­sel so albern ist: Sie ist nichts wei­ter als ein Erpres­sungs­mit­tel. Wenn ich jeman­dem nicht abnehme, dass er die Demo­kra­tie für gut hält, ändert das auch nichts durch eine Erklä­rung. Wenn eine Erklä­rung inhal­tich obso­let ist, wie es Gröhe unten dar­stellt, dann ist sie es auch als sol­che. Wenn nicht, macht man einen Ver­dacht, dass diese Erklä­rung not­wen­dig sei, sprich: einen Gene­ral­ver­dacht.

Des wei­te­ren könnte Kris­tina Schrö­der so lang­sam mal zurück­tre­ten: Mit so einem Mit­tel Rechts­ex­tre­mis­mus bekämp­fende Orga­ni­sa­tio­nen zu beläs­ti­gen und sich dann im Bun­des­tag der Aus­spra­che ver­wei­gern, obwohl man twit­ternd Stel­lung nimmt, das hat kein Rück­rat.

Und es ist schlicht naiv bis albern, so etwas zu sagen

um dann zu for­dern, man solle das Auf­rech­nen sein las­sen.

Integration – Das verlogene Ideal der Deutschen

Ich ver­stehe nicht, warum den Tür­ken in Deutsch­land noch nicht der Kra­gen geplatzt ist (und damit meine ich alle Mit­bür­ger mit tür­ki­schem Hin­ter­grund): Da schwingt sich einer­seits der tür­ki­sche Minis­ter­prä­si­dent auf, ihnen zu erklä­ren, wie sie in Deutsch­land ihr Leben zu füh­ren haben: Nur unter Wah­rung ihrer kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, und das bedeu­tet grund­sätz­lich, dass zunächst die tür­ki­sche Spra­che gelernt wer­den müsse. Und da schwin­gen sich im Gegen­zug deut­sche Poli­ti­ker auf und sagen: Auf jeden Fall müsse die deut­sche Spra­che beherrscht wer­den und Inte­gra­tion in die deut­sche Gesell­schaft, die müsse statt­fin­den. Was hat das denn über­haupt mit der Lebens­wirk­lich­keit immi­grier­ter Tür­ken in Deutsch­land zu tun?

Am Don­ners­tag war ich in einer Vor­stel­lung von Hape Ker­ke­lings Kein Par­don. Das ist eine unterm Strich durch­aus geglückte Musical-Version eines Hape-Kerkeling-Films mit einem klei­nen Schön­heits­feh­ler: Kurz vor Ende kommt es zu einer Szene, in dem der Opa des Stücks das Selbst­bild des Ruhr­pott­lers kenn­zeich­net. Er führt auch an, dass irgend­wann Gast­ar­bei­ter ins Ruhr­ge­biet kamen, die man inte­grierte, dann kom­men Müt­ter mit Kin­der­wa­gen auf die Bühne, klap­pen Fähn­chen aus mit diver­sen Län­der­flag­gen, die ihre Her­kunft anzei­gen sol­len und alle auf der Bühne füh­ren ein klei­nes Tänz­chen auf. Der Schön­heits­feh­ler die­ser Szene ist: So eine Inte­gra­tion hat nie statt­ge­fun­den. Ges­tern sah ich die Doku­men­ta­tion von Gün­ter Wall­raff als schwar­zem Gast­ar­bei­ter in Deutsch­land. Zum Ende des Films geht er in eine Kneipe und führt sich so auf, wie Deut­sche sich in einer Kneipe auf­füh­ren. Das Ergeb­nis ist, dass er umge­hend aus der Kneipe geschmis­sen wird.

Dass Inte­gra­tion in Deutsch­land schei­tert, liegt vor allem an Deut­schen.

Die­ses beklem­mende Ein­ge­ständ­nis liest sich auch zwi­schen den Zei­len eines Tex­tes von Karen Krü­ger über die Morde der soge­nann­ten NSU. Sicher­lich muss man bei den Mor­den den per­sön­li­chen Hin­ter­grund erfor­schen. Doch die deut­sche Presse und die deut­schen Rechts­ver­fol­gungs­or­gane haben nicht nach einem nicht-persönlichem Motiv gesucht, obwohl in kei­nem Fall irgend­et­was auf so ein Motiv hin­ge­deu­tet hat. Trotz der sach­li­chen Schwie­rig­keit, in die­sem Fall einen guten Hin­weis zur Auf­lö­sung des Fal­les zu bekom­men, hat Karen Krü­ger völ­lig recht, wenn sie schreibt:

Die Hin­ter­gründe, die in den ver­gan­ge­nen Tagen ans Tages­licht gekom­men sind, [...] erzäh­len aber auch, was für ein Türken-Bild in Deutsch­land regiert. Nicht nur die poli­zei­li­chen Ermitt­ler lie­ßen sich offen­sicht­lich von Kli­schees über Deutsch­tür­ken lei­ten, son­dern auch die Öffent­lich­keit machte mit. „Hin­ge­rich­tet von der Halbmond-Mafia“, hieß es am Tag nach der Ermor­dung von Theo­do­ros Boul­ga­ri­des einer Münch­ner Zei­tung. [... Es] wurde wild über denk­bare Hin­ter­gründe spe­ku­liert, die Mög­lich­keit einer rechts­ex­tre­mis­ti­schen Tat aber nicht in Betracht gezo­gen: Im tür­ki­schen Milieu kann es eben auch mal knal­len.

Eine der fie­ses­ten Sze­nen aus dem Deut­schen Bun­des­tag ist die, als in den 80ern Marie­luise Beck über das neue Thema der Ver­ge­wal­ti­gung in der Ehe spricht und sich im Publi­kum des Bun­des­ta­ges Geläch­ter der Abge­ord­ne­ten breit macht: In deren Welt kann es das Unvor­stell­bare, eine grund­le­gende eigene soziale Stö­rung, so nicht geben.

Die eigene Ver­blen­dung, die auf Kos­ten von schwa­chen Ande­ren geht, ist das eigent­li­che Thema die­ses frem­den­feind­li­chen Vor­falls. Nie­mand erwar­tet, dass man einen Staat schafft, der kom­plett gefeit ist vor durch­ge­knall­ten, frem­den­feind­li­chen, mor­den­den Kri­mi­nel­len. Aber eine so zur Schau getra­gene Respekt­lo­sig­keit vor den Opfern, die kann man sich spa­ren. Und sowas ist das nicht­hin­ter­fragte Inte­gra­ti­ons­ideal in Deutsch­land. Unglaub­lich.

Warum es keinen passenden Gottschalk-Nachfolger gibt

Das ZDF und diverse Zei­tun­gen machen es sich der­zeit zur Auf­gabe, einen pas­sen­den Nach­fol­ger für Tho­mas Gott­schalk als Mode­ra­tor von Wet­ten, dass..? zu fin­den.

Grund­lage einer sol­chen Suche ist es, dass es Mode­ra­to­ren gibt, die eine sol­che Sen­dung mode­rie­ren könn­ten, und zwar erfolg­reich. Aber es gibt maxi­mal Mode­ra­to­ren.

Es gibt nie­man­den, der das kann, was Gott­schalk kann: Prinz Char­ming, Spiel­kind und Witz­bold. Ste­fan Raab ist eben­bür­tig als Spiel­kind, HaPe Ker­ke­ling als Witz­bold, aber den Charme Gott­schalks strah­len beide nicht aus. Und beide sind zu alt, um das noch zu ent­wi­ckeln.

Gott­schalk hat diese Chance noch gehabt, durfte Na sowas! mit inter­na­tio­na­len Gäs­ten mode­rie­ren, von da aus ist es nicht weit zu Wet­ten, dass..?. Nach­fol­ger von Gott­schalk damals wurde übri­gens Gün­ter Jauch mit Na siehste!

Aber der­ar­tige Ent­wick­lungs­for­mate gibt es nicht mehr. Über­haupt wird Unter­hal­tung bei den Öffis nur noch ver­wal­tet, nicht ent­wi­ckelt. Ansons­ten wäre das Traum­schiff ja schon längst unter­ge­gan­gen, weil die Geschichte seit 25 Jah­ren aus­er­zählt ist.

Bürgerliche Notwehr

Zumin­dest das Urteil ist inter­es­sant: Ein Poli­zist wird durch einen Bür­ger erschos­sen, die­ser widerum wird wegen Not­wehr in Annahme einer Gefah­ren­si­tua­tion frei­ge­spro­chen. Ich hatte gedacht, das wäre im deut­schen Recht so nicht vor­ge­se­hen.

Es erin­nert mich an eine Folge von Picket Fen­ces, in der bewaff­nete Poli­zis­ten eine Woh­nung stür­men, der Woh­nungs­in­ha­ber in Angst eines Über­falls zur Waffe greift und zwei Poli­zis­ten erschießt. Dort wird er frei­ge­spro­chen, weil er berech­tigt anneh­men muss, dass die Poli­zis­ten auf ihn schie­ßen, wenn er auf sie eine Waffe rich­tet, was der Fall war.

Das deut­sche Urteil ist ver­gleichs­weise noch wei­ter­füh­rend, indem es dem Beklag­ten ein­räumt, unter fälsch­li­cher Annahme der Iden­ti­tät des Opfers eine rechte Hand­lung aus­ge­führt zu haben. Für eine wei­tere Dis­kus­sion müsste man mehr Ein­sich­ten in die Umstände haben.

Wie Google Plus fremde Mailadressen anspamt

Ich besitze eine Mail­adresse der Form Vorname@Nachname.TLD. Für andere Zwe­cke habe ich mal Google Mail ver­wen­det, dort aber diese Adresse nicht ange­ge­ben. Inter­es­san­ter­weise wird aber dem Google-Konto die VN-Adresse als Google-Plus-Kontakt ange­bo­ten. Ohne dass ich mich dort unter die­ser Adresse ange­mel­det hätte und ohne dass ich sel­ber diese Adresse in Google Mail ein­ge­speist hätte, will sagen: Sie kommt nicht aus mei­nem Adress­buch. Mag sein dass jemand anders mir ein­mal eine Mail geschickt hat aus Google Mail her­aus.

Dem Google-Plus-Nutzer X wird also ange­bo­ten, sich mit mir unter der Mail­adresse VN zu ver­bin­den. Erst dann merkt er, dass gar kein Google-Plus-Account unter die­ser Adresse besteht. Ich kriege den­noch eine Mail, dass X mich zu Google Plus ein­la­den würde, was X gar nicht beab­sich­tigt hat, son­dern nur gedacht hat, ich wäre schon da.

Ich habe kein Pro­blem damit, dass Leute meine Mail­adres­sen irgendwo spei­chern. Ich möchte sie ledig­lich etwas vor Spam schüt­zen. Der Umgang von Google mit der­ar­ti­gen Mail­adres­sen befrem­det mich daher etwas.

Was ich noch sagen wollte zu… Ole Schröder

Nein, es ist sicher­lich kein leich­tes Unter­fan­gen die­ser Tage, die Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung zu ver­kau­fen. Man muss Ole Schrö­der, den Mann der Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin da nicht unbe­dingt um sei­nen Job benei­den.

Ges­tern durfte er sich den Abge­ord­ne­ten ande­rer Par­teien stel­len, was wohl fai­rer durch den Bun­des­in­nen­mi­nis­ter erle­digt wor­den wäre. Aber der hat geknif­fen. Wohl auch, weil jemand wie Schrö­der ein­fach näher am Thema dran ist. Wie weit man als älte­rer Abge­ord­ne­ter vom Thema weg sein kann, bewies der Abge­ord­nete Uhl, des­sen Äuße­run­gen im Anschluss im Pro­to­koll noch beschö­nigt wer­den muss­ten, so pein­lich waren sie.

Ole Schrö­ders Erläu­te­rung, ich weiß jetzt gar nicht, ob es seine eigene war oder eben nur die, die er zu ver­tre­ten hatte, ging wie folgt: Die Anwen­der des soge­nann­ten Staats­tro­ja­ners hät­ten die­sen zuvor in einer Test­um­ge­bung auf Herz und Nie­ren geprüft, fest­ge­stellt, dass der Tro­ja­ner nichts ande­res gelie­fert habe als er sollte und damit sei der Ein­satz des Tro­ja­ners rech­tens gewe­sen.

So gut Schrö­ders Auf­tritt ges­tern gewe­sen ist, er ver­stand es immer­hin im Gegen­satz zu ande­ren CDU-Politikern, den Anschein zu erwe­cken, dem Thema gewach­sen zu sein, diese Erklä­rung ist Mum­pitz: Denn Schrö­der erklärte auch, dass nie­mand sei­tens des Staa­tes den Quell­code des Tro­ja­ners kannte. Das bedeu­tet, das die Funk­tion des Tro­ja­ners nie­mand erklä­ren konnte, son­dern nur die Ergeb­nisse, die der Tro­ja­ner in Ein­zel­fäl­len gelie­fert hat, bekannt gewe­sen sind. Das ist in etwa so, als würde ein Rich­ter eine Per­son 2 Stun­den beob­ach­ten, und dann mei­nen sagen zu kön­nen, diese Per­son sei noch nie bei rot über eine Ampel gegan­gen.

Die Erklä­rung taugt nicht die Bohne. Egal, was hin­ter­her über den Tro­ja­ner in Erfah­rung gebracht wird. Mich wun­dert nur, dass offen­bar sei­tens der Bun­des­re­gie­rung immer noch keine vor­zeig­ba­ren Kennt­nisse über den Quell­code des Tro­ja­ners beste­hen.

Lesezeichen

Michael Spreng mokiert sich etwas, dass Die­ter Tho­mas Heck zum wie­der­hol­ten Mal die Anek­dote, wie er einst seine dama­lige Frau fast umge­bacht hat, zum Bes­ten gibt.

Das gibt mir die Gele­gen­heit etwas dar­über nach­zu­den­ken, wo eigent­lich die Grenze ist zwi­schen einer maka­be­ren Befas­sung mit einem Thema und Pie­tät­lo­sig­keit.

Ich habe hier vor weni­gen Tagen diverse Tötungs­de­likte in mei­ner Hei­mat­stadt salopp auf­ge­führt, weil es mir vor­kommt, als ob vie­len Men­schen sehr leicht das Töten eines ande­ren Men­schen in der betref­fen­den Stadt als akzep­ta­bel erscheint. Viel­leicht ist das in ande­ren Städ­ten ebenso der Fall, mir kommt es gehäuft vor. Um das vor­zu­brin­gen, habe ich pro­vo­zie­rend die Ein­zel­fälle beschrie­ben, als seien sie etwas humor­vol­les. Von den Opfern war keine genaue Rede, inso­fern scheint mir das Vor­ge­hen grenz­wer­tig, wegen mir maka­ber, aber akzep­ta­bel.

Weni­ger akzep­ta­bel erscheint es mir, wenn die lokale Zei­tung den ers­ten Bericht über ein Tötungs­de­likt so schreibt, als han­dele es sich um eine fik­tive Kri­mi­ge­schichte. Das passt nicht in meine Vor­stel­lung einer seriö­sen Bericht­er­stat­tung, deren Ziel­gruppe – im Gegen­satz zu mei­nem Blog – auch Ange­hö­rige umfasst. Das würde ich als geschmack- und pie­tät­los ein­stu­fen.

Bei die­sem Tötungs­de­likt hat der Täter der Poli­zei gegen­über zunächst ange­ge­ben, es handle sich um Tötung auf Ver­lan­gen, wobei es sich schlicht um kalt­blü­ti­gen Mord gehan­delt hat. Sol­ches Ver­hal­ten würde ich als anstands- und pie­tät­los wer­ten, um es von geschmack- und pie­tät­lo­sem Ver­hal­ten abzu­gren­zen.

Malte Spitz über die Piratenpartei

Momen­tan ist es ja irgend­wie unter Poli­ti­kern Mode, statt sich mit Inhal­ten zu befas­sen, andere Par­teien zu inter­pre­tie­ren. Für die Grü­nen hat das Malte Spitz über­nom­men. Und der rade­brecht da im übels­ten Poli­ti­ker­sprech Neun­mal­klu­ges wie:

Die Pira­ten insze­nie­ren sich als Par­tei der „Avant­garde“, die sich aber vor­wie­gend mit sich selbst und weni­ger mit Wäh­lern und Inhal­ten beschäf­tigt, die mit ihrem Outlaw-Image und dem Ver­spre­chen der Avant­garde spie­len, und damit erfolg­reich ins Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus und in ein Umfra­ge­hoch segelte.

Das ist das, was Kon­ser­va­tive anfangs über die Grün­den gesagt haben. Herz­li­chen Glück­wunsch, Herr Spitz, zu die­ser Punkt­lan­dung.

Die Grü­nen haben schlicht Jugend­lich­keit als Mar­ken­kern ver­lo­ren, sind inzwi­schen eben auch oft alt gewor­den, zu alt für die Jugend von heute. Fürch­ter­lich auch der Fall in Tech­nik­ge­fa­sel, das jugend­lich wir­ken soll:

Den Pira­ten fehlt die große Erzäh­lung, die Vision jen­seits von Buz­zwords.

Was ist denn die große Erzäh­lung der Grü­nen? Was haben große Erzäh­lun­gen in der Poli­tik ver­lo­ren?

Statt­des­sen wur­den als ers­tes reflex­haft die „Köpfe“ von BKA-Chef Ziercke und Innen­mi­nis­ter Fried­rich gefor­dert und in Inter­views mit Wild-West Ver­glei­chen schwa­dro­niert, statt auf­zu­zei­gen, was die Zusam­men­hänge bei die­sem Thema bedeu­ten, das anschei­nend deut­sche Unter­neh­men sol­che Tech­nik ent­wi­ckeln, staat­li­che Behör­den dies mit völ­li­ger Unwis­sen­heit und ohne Kon­trolle fahr­läs­sig ein­set­zen.

Oh, wenn etwas über­fäl­lig ist, dann den Rück­tritt von Fried­rich zu for­dern, der in die­ser wie zuvor bei der Islam-Thematik so unbe­hol­fen und fehl­ge­lei­tet her­um­schwimmt, dass Kom­pe­tenz­an­fra­gen nicht aus­blei­ben soll­ten. Erschre­ckend, dass sie nicht von den Grü­nen gekom­men sind, son­dern erst von den Pira­ten.

die Pira­ten sind in keine inhalt­li­che Lücke gesto­ßen

Oh doch, Herr Spitz. Ob sie sie aus­fül­len kön­nen, ist eine andere Frage, aber für die Grü­nen wäre Ein­sicht hier ein ers­ter Schritt zur Bes­se­rung.

Kohls ehemaliger Redenschreiber über die Piraten

Na, was soll man denn nun davon hal­ten? Der ehe­ma­lige Reden­schrei­ber Hel­mut Kohls Ste­phan Eisel fühlt sich beru­fen, vor dem Men­schen­bild der Pira­ten­par­tei zu war­nen.

Gerade beim Kern­thema der Inter­net­par­tei tritt dabei die pro­ble­ma­ti­sche Grund­aus­rich­tung der Pira­ten offen zu Tage: Ihr Men­schen­bild igno­riert die Ver­schie­den­ar­tig­keit und Gleich­wer­tig­keit der Men­schen. Denn wer mit dem Inter­net nichts anfan­gen kann oder will, passt nicht in ihr digi­ta­les Welt­bild und gehört nicht zu den „Aus­er­wähl­ten“ der neuen Zeit. Das Welt­bild der Pira­ten ver­wei­gert sich zudem kon­se­quent dem unver­zicht­ba­ren und unauf­lös­ba­ren Zusam­men­hang von Frei­heit und Ver­ant­wor­tung. Vor einem christ­li­chen Men­schen­bild kann aber eli­tä­res Geba­ren ebenso wenig beste­hen wie die bedin­gungs­lose Ver­göt­te­rung eines neuen Medi­ums.

Die Pira­ten­par­tei der­art als Sekte vor­zu­stel­len ist unge­fähr so fair, als wenn man alle Kohl-Verfehlungen auf Eisel bezie­hen würde. Warum über­haupt soll eine Par­tei so unge­mein reli­giös geprägt sein, wie Eisel meint? Der von Eisel vor­ge­fun­dene Eli­ten­be­griff ist schlicht von ihm selbst in die Pira­ten­par­tei rein­ge­le­sen wor­den und kann so selbst­ver­ständ­lich leicht raus­ge­le­sen wer­den. Damit folgt Eisel eh dem katho­li­schen Man­tra, wer dem rech­ten Glau­ben abschwört, ver­ehrt fal­sche Göt­ter. Abge­se­hen, dass die­ses Vor­ge­hen zum Hand­werks­zeug eines Reden­schrei­bers gehört, ist diese Finte strunz­däm­lich.

Dane­ben ist ja der letzte Satz schon von ent­lar­ven­der Ein­fäl­tig­keit: Vor dem christ­li­chen Men­schen­bild kann eli­tä­res Geba­ren nicht beste­hen? Schon lange kei­nen kri­ti­schen Blick mehr auf die Katho­li­sche Kir­che gewor­den, was, Herr Eisel?

Nein, nein, die Pira­ten sind sicher­lich unge­mein kri­ti­sie­rungs­be­dürf­tig, man kriegt sie aber sicher nicht mit dem unkritisch-christlichem Gefa­sel aus den 80ern.

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