stackenblochen (rsf) "Nach über 20 Jahren Auto und Motorrad habe ich jetzt gut ein Jahr ernsthaft auf dem Fahrra... http://t.co/nKzJSjQvjF

Anmerkungen zum Weltgeschehen 7

[ Download-Link | Musik: Little Thom - Inside joke, Mark Lyford - Chill­out ]

Kauderwelsch

In jeder Fami­lie gibt es doch so den einen Onkel, der etwas merk­wür­dig ist. Der bei Kaf­fee und Kuchen stört, wo man doch gerade so ein­hel­lig bei­sam­men sitzt. Der pein­li­che Sachen vom Sta­pel lässt, wo aller immer so ver­schämt ins Off ver­su­chen zu gucken. Des­sen Thema man schleu­nigst über­la­bern möchte.

Bei den Nach­barn mei­ner Oma war das frü­her deren alter Opa. Der stand immer im Vor­gar­ten und hat von dort aus das Welt­ge­sche­hen kri­ti­siert, immer in der Hoff­nung, aber auch etwas weh­mü­tig, auf eine bes­sere Zeit: “Unter Adolf hätte es sowas nicht gege­ben.” Sowas wie junge Mäd­chen in Jeans, laut fuß­ball­tre­tende Knirbse, nicht­grü­ßende Spat­zier­gän­ger, knat­ternde Mofas, schrei­ende Schul­kin­der auf dem Weg zum Bus, Män­ner, die voll­be­packt ihren nichts­tra­gen­den Frauen hin­ter­her­lau­fen, Tür­ken. So ziem­lich alles, was an Mensch­li­chem die Straße rauf und run­ter kam.

Dabei war Adolf nur das Syn­onym für Kon­ser­va­ti­vi­tät. Das Sosein der Alten, das Unfle­xi­ble, das Sich-nicht-mehr-ändern-wollen, die Ver­tei­di­gung der eige­nen Ent­wick­lung, unkri­ti­sier­bar ein­ge­lullt in den Gedan­ken, der Adolf hätte ledig­lich für all das gestan­den. Wenn’s reg­nete wurde der Opa rein­ge­holt, so wie man den Son­nen­schirm rein­holt. Er wurde aber auch rein­ge­holt, wenn er für zu viel Auf­se­hen unter den Nach­barn sorgte. Man möchte eben nicht zu sehr Dorf­tratsch­thema sein.

Bei der CDU ist so ein alter Opa der Sieg­fried Kau­der. Natür­lich darf ein jeder auch dort seine eigene Mei­nung haben. Inwie­weit er sie breit­tre­ten darf, wird aber schon noch kon­trol­liert. Kon­trol­liert, nicht gemobbt, das ist der CDU wich­tig. So eine Mei­nung kann ja durch­aus nütz­lich sein, schließ­lich gibt es diverse Mei­nun­gen in der CDU. Irgend­wen wird man da schon bedie­nen.

Nun muss der Siggi wohl im Vor­gar­ten gestan­den haben und junge Men­schen kamen vor­bei. Die hat­ten sowas gemacht, wie ihre Mofas fri­sie­ren. Und, oh, wie ist der Siggi da ener­gisch gewor­den. Welch Fre­fel­tat. Welch Unge­zo­gen­heit. Das muss ver­bo­ten wer­den, strengs­tens. Da muss man mit Härte ran­ge­hen. Damit die das mal ler­nen. Härte und Strenge, nicht die neu­mo­derne Tät­schel­ver­weich­li­chung. Das war schon frü­her gut so. Aus uns ist ja schließ­lich auch was gewor­den. Sowas brüllte der da im Vor­gar­ten.

Da kamen dann ganz fix die Doro raus und der Peter und haben den Opa rein­ge­holt: Nee, nee, das ist jetzt nur ne Ein­zel­mei­nung, die hat weder ne Mehr­heit in unse­rem Haus, noch wird das ernst­haft mit­ge­tra­gen, was der da im Vor­gar­ten so raus­po­saunt hat. Alles wie­der gut, wir sind noch zurech­nungs­fä­hig.

Wo käme man da auch hin, wenn man jeden in der CDU ernst neh­men würde.

Der tierische Höhepunkt

Warum gehen wir mit den Nutz­tie­ren eigent­lich so viel schä­bi­ger um als mit den Haus­tie­ren? Irgendwo auch eine rhe­to­ri­sche Frage, wir haben ja sel­ber mit den Nutz­tie­ren kaum noch zu tun. Die fris­ten in abge­schlos­se­nen Stäl­len ein tris­tes Dasein. Das schützt oft­mals die Tiere vor Krank­hei­ten, und den Ver­brau­cher vor Skru­peln. Da haben es unsere Haus­tiere ja meist bes­ser. Ver­sorgt mit Spiel­sa­chen, ordent­li­chem Fut­ter und Auf­merk­sam­keit kann man bei man­chen Haus­hal­ten ja schon von einem klei­nen Schla­raf­fen­land reden.

Und wie dankt es einem das Haus­tier?

Filmmittwoch: Der letzte Tagtraum

Unfundierte Papstkritik von Schmidt-Salomon

Naja, so gerne ich über den Papst her­ziehe, hier ist Herr Schmidt-Salomon schlicht auf dem Holz­weg, weil er weder in der phi­lo­so­phi­schen Natur­rechts­lehre, in der Men­schen­rechts­lehre, noch in den Schrif­ten des Paps­tes bele­sen zu sein scheint:

Als „krasse Geschichts­ver­fäl­schung“ wer­tete Schmidt-Salomon, dass der Papst vor dem Par­la­ment behaup­tete, „dass die Idee der Men­schen­rechte und die Idee der Gleich­stel­lung aller Men­schen von der Über­zeu­gung eines Schöp­fer­got­tes her ent­wi­ckelt wor­den sei. Denn diese Rechte muss­ten von säku­la­ren Kräf­ten gegen den erbit­ter­ten Wider­stand der kirch­li­chen Schöp­fungs­gläu­bi­gen erstrit­ten wer­den. Über viele Jahr­zehnte haben Päpste, Kar­di­näle, Bischöfe die Men­schen­rechte als got­tes­läs­ter­li­che Selbstan­ma­ßung ver­dammt.

[ Kor­rek­ter Weise heißt es beim Papst: "Idee der Gleich­heit aller Men­schen vor dem Recht", sprich: vor dem Gesetz. Über­haupt schon ein dickes Ding, wenn jemand, der sich Phi­lo­soph nennt, "vor dem Recht" aus­lässt und mit­tels die­ser Aus­las­sung einen gänz­lich ande­ren Gedan­ken ver­folgt. ]

Nein, das stimmt so nicht, die Men­schen­rechte haben his­to­risch ihren Ursprung im christ­li­chen Bereich. Nach­zu­le­sen in Scott Gor­don Swansons The medi­eval foun­da­ti­ons of John Locke’s theory of natu­ral rights: rights of sub­sis­tence and the prin­ciple of extreme neces­sity.

Seriöse Jour­na­lis­ten soll­ten, so Schmidt-Salomon, auch wis­sen, warum Bene­dikt XVI. aus­ge­rech­net das „Natur­recht“ zum zen­tra­len Thema sei­ner Bun­des­tags­rede machte: „Das Insis­tie­ren auf eine natur­recht­li­che Begrün­dung von Rechts­nor­men hat selbst­ver­ständ­lich nichts mit den Über­zeu­gun­gen eines ‚grü­nen Paps­tes‘ zu tun, wie schlecht infor­mierte Medi­en­leute in die Welt hin­aus­po­saun­ten. Tat­säch­lich geht es hier um die ver­meint­li­che ‚Natür­lich­keit‘ bezie­hungs­weise ‚Wider­na­tür­lich­keit‘ mensch­li­cher Ver­hal­tens­wei­sen.

Das ist auch eine fal­sche Fährte: Der Papst folgt im Natur­recht wei­test­ge­hend Kant (und gerade nicht den alten Sitt­lich­keits­pa­ra­gra­phen, wie Schmidt-Salomon unter­stellt), daher auch die Nähe Ratz­in­gers zur Phi­lo­so­phie und zum Ver­nunft­be­griff. Dass er zudem meint, Schwul­sein wäre gegen die Natur ist eine andere Geschichte und hat mit der phi­lo­so­phi­schen Her­lei­tung von Moral, um die es bei der Rede vom Natur­recht geht, nichts zu tun. Ratz­in­ger und Kant unter­schei­det die Frage, warum Moral ver­bind­lich ist. Das sei, so Ratz­in­ger, dem Men­schen ins Herz geschrie­ben. Das ist mit Kant nicht zu machen.

Aktua­li­sie­rung
Man könnte übri­gens anhand der Titu­lie­rung “Phi­lo­soph” mei­nen, dass Schmidt-Salomon wis­sen­schaft­lich aus­ge­bil­de­ter Phi­lo­soph sei. Ist er aber nicht. Er ist Päd­agoge. Das erklärt eini­ges.

[ via ]
Das Schweigen der Quandts

[ Video auf Google Video ]

Lifestyle

kannitverstan

In Bie­le­feld ist Soci­al­Me­dia für mich so ange­kom­men: Der eine und der andere began­nen vor knapp 10 Jah­ren, Blogs zu schrei­ben. Dadurch ent­spran­gen die ers­ten Kon­takte. Es kris­tal­li­sierte sich eine hüb­sche Blog­ger­szene her­aus. Die Blog­ger kann­ten sich unter­ein­an­der und fühl­ten sich wohl in die­ser Inter­net­welt. Mir ging es da noch gar nicht darum, mit ande­ren in Kon­takt zu tre­ten, wieso auch?
Was mich deut­lich spä­ter aus den Puschen jagte, war Twit­ter. Die­ses neue Sozia­lir­gend­was­ding, das ich so wenig ver­stand. Ich habe Tage lang Bie­le­fel­der Twit­te­rer gele­sen, um von außer­halb zu ver­ste­hen, was die da wie machen. Ich habe es kaum ver­stan­den. Irgend­wel­che Kurz­sätze in die Welt posau­nen? An wen gerich­tet? Mit wel­chem Inhalt? Ich musste da rein. Learning by doing.
Dann kam es irgend­wann dazu, dass die Bie­le­fel­der Twit­te­rer ein Nach­mit­tags­kaf­fee­kränz­chen machen woll­ten, wieso nicht? Ich kannte eigent­lich nie­man­den. Und ich kenne auch heute noch nie­man­den in mei­nem Nicht­so­zi­al­netz­wer­ki­gen Umfeld, dass auf der­ar­ti­ges anspringt. Aber, wenn man schon mal dabei ist, nichts wie hin. Learning by doing.
So lernte man inter­es­sante Men­schen ken­nen. Den Rou­ven, den Denis, den Dirk, den Hol­ger, den Michael, den Sacha, Miss James, den Sven, den Mar­cel, Air­sign. Alles Ori­gi­nale. Alles aber auch so Leute, die den Kit­zel ken­nen, jeman­den Inter­es­san­tes ken­nen­zu­ler­nen, ohne einen recht­fer­ti­gen­den All­tags­be­zug vor­wei­sen zu kön­nen. Als ob sowas nötig wäre.

Wie bei allen anre­gen­den Inter­net­ge­schich­ten, ver­grö­ßerte sich der Kreis die­ser Gruppe, die sich regel­mä­ßig zum Bielefelder-Blog-und-Twitter-Stammtisch, kurz Biblo­stati, traf. Er ver­grö­ßerte sich meist aber nicht um Leute, die den glei­chen Anreiz zu sowas hat­ten wie ihre Vor­gän­ger. Der Anreiz war nun eher, über das Soziale Netz­werk zu einer Gruppe zu gehö­ren. Das ist auch gar nichts Ver­kehr­tes, jede Gruppe lebt irgend­wie von neuen Ein­flüs­sen. Und den Biblo­stati gibt es bis heute.
Ich weiß aber noch, dass damals beim Kaf­fee­kränz­chen sich alle mit die­ser komi­schen Gruppe beschäf­tig­ten. Das wurde auch durch die Anwe­sen­heit von Sil­be­rei­sen befeu­ert, einem Macho in Jesus-Latschen, der deut­lich jün­gere Damen vom Nach­bar­tisch ein­fach durch Aura bezir­zen wollte.
Jeden­falls, der Biblo­stati wurde auch stark zu einem Gad­get­stati, dau­ernd zückte jemand sein als Tele­fon getarn­ten Klein­com­pu­ter, um was nach zuschauen oder zu tip­pen. Wäh­rend die Vor­gän­ger die Online- und die Offline-Welt noch getrennt hat­ten, ver­mischte sich das nun zuse­hends. Ich fand und finde das komisch. Ich brau­che keine Com­pu­ter­krü­cke, um mit ande­ren Kon­takt auf­zu­neh­men. Ich muss mir nicht von Fir­men auf­drän­gen las­sen, dass ich was und was genau ich im Inter­net mache. Und wel­ches teure Gerät ich mir am Bes­ten dazu kau­fen sollte. Ab und an rechne ich mir durch, wie lange ich ein so teu­res Gerät täg­lich benut­zen müsste, damit es sich ren­tiert. Ich weiß ja noch nicht ein­mal, was das hei­ßen soll, dass sich so ein Gerät ren­tiert. Es klaut mir ja doch nur meine Zeit für Unter­hal­tung.

Ich habe einen der 2. Gene­ra­tion mal dar­auf ange­spro­chen und der beschwich­tigte, nein, so schlimm sähe er das nicht, für ihn sei seine Com­pu­ter­krü­cke eben Life­style.

JA, EBEN! Nicht mal deine Spra­che haben sie dir gelas­sen.

[ Foto: Rachel Pasch - What part of... | CC BY-NC 2.0 ]

The angry fake

One or ano­ther way there’s some­thing funny going on: Mark David­son used twit­ter to show how com­pe­tent he was with social media. There are now updates on his account, in which someone claims to be his ghost­wri­ter:


The ghost­wri­ter says he’s been fired from his poorly paid job. But there are still 3 other ghost wri­ter. Eit­her this is the truth or it’s a giant mar­ke­ting trick.

Zwischen Verschwörungstheorie und Überwachungsperfektion: Das Projekt INDECT

Wenn man eine neue Welt­be­herr­schungs­ge­schichte aus Moti­ven von Orwells 1984, Dicks Mino­rity Report und Dür­ren­matts Die Phy­si­ker schrei­ben wollte, dann käme wohl so etwas raus wie INDECT. INDECT ist das “Intel­li­gente Infor­ma­ti­ons­sys­tem zur Unter­stüt­zung von Über­wa­chung, Suche und Erfas­sung für die Sicher­heit von Bür­gern in städ­ti­scher Umge­bung”. Und über­wacht, gesucht und erfasst wer­den: Bür­ger.

Ob in Fuß­ball­sta­dien, in der Stra­ßen­bahn, am Bahn­hof, in Ein­kaufs­zen­tren oder beim Demons­tra­tio­nen: In Deutsch­land wer­den Men­schen in der Öffent­lich­keit dau­ernd über­wacht. Das Pro­jekt INDECT sieht vor, die Daten von allen ver­füg­ba­ren Über­wa­chungs­sys­te­men zu sam­meln und in Echt­zeit aus­zu­wer­ten: Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, Han­dyor­tung, Tele­fon­über­wa­chung, fest instal­lierte und mobile Video­ka­me­ras, Gesichts­er­ken­nung, beste­hende Daten­ban­ken und Inter­net­sei­ten. Damit ließe sich eine mobile Ziel­ver­fol­gung, wie man sie aus Kriegs­sze­na­rien kennt, in Innen­städ­ten durch­füh­ren. Die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen haben ihre Phan­ta­sien dazu auch schon ver­filmt. Bis­lang schei­ter­ten der­ar­tige Daten­samm­lungs­pro­jekte immer am Infor­ma­ti­ons­über­fluss und an zuein­an­der inkom­pa­ti­blen Daten­ban­ken. Die­ses Pro­blem hat man inzwi­schen in den Griff bekom­men.

Weil die Poli­zei mit einem sol­chen Pro­jekt schon per­so­nell über­for­dert wäre, sol­len Com­pu­ter die Arbeit über­neh­men und Video­auf­nah­men nach abnor­ma­lem Ver­hal­ten aus­wer­ten. Unter­sucht wer­den also ent­ge­gen aller Unschulds­ver­mu­tung alle erfass­ten Per­so­nen. Abnor­ma­les Ver­hal­ten besteht nach Vor­gabe des Pro­jekts u.a. beim Flu­chen in der Öffent­lich­keit, beim Ren­nen am Flug­ha­fen, bei zu lan­gem Auf­ent­hal­ten in Tür­be­rei­chen, aber auch beim Zusam­men­tref­fen zu vie­ler Per­so­nen in Fuß­gän­ger­zo­nen. Hoo­li­gans, Sexu­al­straf­tä­ter und Ter­ro­ris­ten sind die übli­chen Ver­däch­ti­gen, nach denen Aus­schau gehal­ten wer­den soll. Die Ergeb­nisse der Com­pu­ter­un­ter­su­chun­gen wer­den schließ­lich zu einem auto­ma­ti­schem Benach­rich­ti­gungs­sys­tem wei­ter­ge­lei­tet. Der erste ernst­hafte Ein­satz von INDECT könnte bei der Fußball-WM 2012 in Polen statt­fin­den. Zwar sagen die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, dass nicht geplant sei, INDECT dort ein­zu­set­zen, aber Geneh­mi­gun­gen zu Test­zwe­cken in Sta­dien wur­den auch für die­sen Zeit­raum ein­ge­holt. Neben der nor­ma­len Über­wa­chung plant man beim Pro­jekt INDECT, Fan­ge­sänge live auf eine auf­kei­mende Bedro­hung abzu­hö­ren. Für die Über­wa­chung an Orten mit zu wenig instal­lier­ten Kame­ras sind Droh­nen vor­ge­se­hen, die mit Kame­ras aus­ge­stat­tet sind. Der­ar­tige Flug­ge­räte wer­den in Deutsch­land schon bei Castor-Transporten ein­ge­setzt.

In Deutsch­land ist neben Video­über­wa­chungs­fir­men die Uni­ver­si­tät Wup­per­tal an INDECT betei­ligt. Dort erforscht man für das Pro­jekt, inwie­fern sich aus Bil­dern und Videos Anzei­chen von mög­li­cher­weise straf­ba­ren Hand­lun­gen erken­nen las­sen. Die zustän­di­gen Wis­sen­schaft­ler in Wup­per­tal sehen sich aller­dings nicht in irgend­ei­ner Ver­ant­wor­tung für die Fol­gen ihrer For­schung. Man lie­fere nur die Grund­la­gen­for­schung und sei nicht für die Ver­wen­dung ihrer Ergeb­nisse zustän­dig. Von Gewis­sens­bis­sen, wie sie Dür­ren­matts Phy­si­ker plag­ten, keine Spur. Ebenso wie die EU-Kommission stellt man es so dar, als ob es sich bei INDECT bis­lang nur um ein auf bloße For­schung begrenz­tes Pro­jekt han­delt. Der AStA Wup­per­tal sowie wei­tere linke Stu­den­ten­grup­pen for­dern seit letz­tem Novem­ber den sofor­ti­gen Aus­stieg der Uni­ver­si­tät aus die­sem Pro­jekt. Das Ver­hal­ten der Wup­per­ta­ler For­scher sei so, meint Kai Noth­durft, als ob man eine Waffe erfin­det, aber nicht mit­ver­ant­wort­lich sei, wenn jemand diese Waffe tat­säch­lich benutzt. Im Kern befin­det sich die Wis­sen­schaft hier in einem Zwie­spalt. Wie kann man sich vehe­ment gegen die Tren­nung von Wis­sen­schaft­ler und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter weh­ren, wäh­rend man die Auf­tei­lung in For­scher und Ver­ant­wort­li­che hin­nimmt?

Das EU-Projekt ist auch auf poli­ti­scher Ebene höchst umstrit­ten: Zwar gibt es eine Ethik-Kommission für die­ses Pro­jekt, aller­dings durf­ten die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen diese Kom­mis­sion nach eige­nem Ermes­sen beset­zen. Und so ent­schei­det die Ethik-Kommission inzwi­schen neben ihrer eigent­li­chen Auf­gabe auch dar­über, wel­che Infor­ma­tio­nen über das Pro­jekt her­aus­ge­ge­ben wer­den. Das führt zu so bizar­ren Situa­tio­nen wie der fol­gen­den: Das EU-Parlament hat an das Pro­jekt eine Anfrage gestellt, nach wel­chen Kri­te­rien die Ethik­kom­mis­sion besetzt wor­den sei. INDECT ver­wei­gerte schlicht die Aus­kunft.

Noch ste­hen der Umset­zung der For­schun­gen des Pro­jekts tech­ni­sche und recht­li­che Hür­den im Weg. Aller­dings meint der EU-Abgeordnete Alex­an­der Alvaro (FDP), die “Men­schen­such­ma­schine” INDECT sei wie “ein Tan­ker, der schwer auf­zu­hal­ten sei, wenn er erst ein­mal auf Kurs ist”. Wer pro­fi­tiert also von die­sem Pro­jekt?

Pro­jekt­be­tei­ligte erzäh­len ziem­lich offen, dass wirt­schaft­li­che Inter­es­sen durch­aus eine Rolle spie­len:

Why not com­mer­cia­li­zing it?

Gut, viel­leicht schon des­we­gen nicht, weil die­ses Pro­jekt öffent­li­che Gel­der ver­schlun­gen hat. Aber wer an der­ar­ti­gen Stel­len auf rhe­to­ri­sche Fra­gen zurück­greift, der will über Daten­schutz wohl nicht ernst­haft nach­den­ken.

Es ist der­zeit nicht zu sagen, ob der­ar­tige Pro­jekte zu mehr Sicher­heit füh­ren oder die Bür­ger durch Dau­er­über­wa­chung zutiefst ver­un­si­chern. Aller­dings könnte INDECT ein Para­de­bei­spiel sein, wie Innen­po­li­tik durch sekun­däre Inter­es­sen aus­län­di­scher Orga­ni­sa­tio­nen und Aus­nut­zung von Schwach­stel­len der EU beein­flusst wird, und natio­nale Restrik­tio­nen umgan­gen wer­den.

Dann wäre nicht mehr die Frage, ob der Schutz vor kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit gegen den Schutz der Pri­vat­sphäre aus­ge­spielt wird, zen­tral, son­dern ob Maß­nah­men zur phy­si­schen Sicher­heit der Bevöl­ke­rung die Staats­auf­gabe zur Her­stel­lung von Rechts­si­cher­heit unter­gra­ben.

wei­ter­füh­rende Links:
Seite des FIfF zu Indect – http://panopticum-europe.eu/

https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Indect

Die Pro­jekt­seite – http://www.indect-project.eu/
Dom­ingo Conte – http://nomenom.blogspot.com/2011/01/projekt-indect_15.html, http://nomenom.blogspot.com/2011/01/uberwachungsstaat-20.html
West­deut­sche Zei­tung, 15.02.2011 – http://www.wz-newsline.de/home/panorama/video-ueberwachung-indect-grosser-bruder-aus-wuppertal-1.578701

Pira­ten­par­tei Deutsch­land – www.stopp-indect.info
Alex­an­der Alvaro im Deutsch­land­funk – http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1367715/

Nachtgeschichten

Die Nachtgeschichten von heute

  • Zum Tod des Netz­pu­bli­zis­ten Robin Meyer-Lucht: Meis­ter der Debatte – Digi­ta­les Den­ken – Feuille­ton – FAZ.NET – Auf­ge­weckt waren viele sei­ner Texte, leb­haft bis streit­lus­tig die Debat­ten, die er mit dem von ihm gegrün­de­ten Blog Carta ent­fachte: Der Medi­en­wis­sen­schaft­ler und Jour­na­list Robin Meyer-Lucht ist im Alter von 38 Jah­ren gestor­ben.
  • pri­ma­call zahlt, Spree­blick nimmt Bei­trag dem Netz − Bus­keis­mus – Wie so oft, die Äuße­rungs­frei­heit bleibt auf der Stre­cke. Gewin­ner sind die bei­den bekann­ten, vor­wie­gend als Abmah­ner bekann­ten Anwälte. Die Anwälte haben eine zusätz­li­che Ver­hand­lungs­ge­bühr erstrit­ten. Bei einem Streit­wert von 42.000 €, sind das immer­hin für jeden Anwalt ca. 1.500 € (zusam­men 3.000,00 €). 1/3 davon – ca. 1.000,00 € – zahlt Spree­blick. So teuer ist Spree­blick diese Seite gekom­men.
  • Vizekanzler-Gattin Wiebke Rös­ler: „Phil­ipp, viel Spaß mit den Krö­ten“ | RP ONLINE – Ich glaube, dass Fami­li­en­po­li­tik wenig bringt. Eltern müs­sen begrei­fen, dass nicht nur der Ent­schluss zu Kin­dern und die Ent­ste­hung der Kin­der ein Gemein­schafts­pro­jekt ist. Es sollte nicht mehr als Nor­mal­fall gel­ten: Der Mann geht arbei­ten, die Frau bekommt Kin­der, und wenn sie dann wie­der arbei­ten geht, hat sie halt Beruf und Kin­der. Nor­mal­fall sollte sein: Beide gehen alles gemein­sam an. Und zwar, weil man das so will – und nicht, weil man das von oben ver­ord­net bekommt oder es finan­zi­elle Anreize gibt. Das muss von einem selbst kom­men, es ist eine Sache der Ein­stel­lung. Genauso müs­sen auch Müt­ter abge­ben kön­nen. Ich erlebe oft, dass Müt­ter ganz schlecht Auf­ga­ben an Väter abge­ben. Da sind die Kin­der falsch ange­zo­gen, er hat ,mor­gens natür­lich den fal­schen Käse auf das Früh­stücks­brot gemacht’, falls es nicht sowieso ein­fach Kekse gab. Und dass ,er die Kleine nach dem Mit­tags­schlaf mit dem Mor­gen­gruß weckt – die kommt ja ganz durch­ein­an­der’.
  • Chris­toph Kap­pes zum Tod von Robin Meyer-Lucht – Mit Robin Meyer-Lucht hat uns ein klu­ger Kopf ver­las­sen, der zeit­wei­lig auch diese Zei­tung beriet. Die Som­mer­pause, in die er Carta im Juni die­sen Jah­res schickte, endet nicht mit dem Herbst und sei­nen rei­fen Früch­ten.
  • Neue Panne: Wahl­un­ter­la­gen im Müll gefun­den – Ber­lin – Tages­spie­gel – Einen Tag nach dem Bekannt­wer­den des Zähl­feh­lers in Lich­ten­berg gibt es die nächste Wahl­panne. In Lich­ter­felde wur­den unge­öff­nete Brief­wahl­un­ter­la­gen im Müll gefun­den. Die Kri­mi­nal­po­li­zei ermit­telt.
  • die enno­mane » Blog Archive » Die Pira­ten­par­tei vs. Sascha Lobo – so lange Sascha Lobo u.a. von den Ein­nah­men sei­ner Bücher lebt und auf der Gehalts­liste diver­ser Medi­en­häu­ser steht, wird er die Pira­ten­par­tei vor allem in der Urhe­ber­rechts­frage immer kri­ti­sie­ren und angrei­fen.
  • Ruhe in Müns­ter – Müns­ter ist die lei­seste Groß­stadt in ganz Deutsch­land. Unter­sucht haben For­scher des Fraunhofer-Instituts alles, was es an Lärm gibt zwi­schen Autos, Zügen und Indus­trie – und dem­nach ist Müns­ter jetzt nicht mehr nur die lebens­wer­teste Stadt son­dern auch Oase der Ruhe.
  • Nach­ruf auf Robin Meyer-Lucht | Netzpiloten.de – das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 – Ich kannte Robin Meyer-Lucht nicht per­sön­lich. Er hatte carta.info aus dem Boden gestampft und dort habe ich ihn über­haupt zum ers­ten Mal wahr­ge­nom­men. Ich habe carta manch­mal gehasst, manch­mal gemocht. Aber eines muss ich aus Sicht eines Online-Journalisten sagen: Er hat einen Stein in die deut­sche Online-Landschaft gerollt.
  • Robin Meyer-Lucht: Haber­mas, die Medien, das Inter­net – Die demo­kra­ti­sche Öffent­lich­keit hängt nicht davon ab, dass ihr von ihren tra­di­tio­nel­len Inha­bern in den eta­blier­ten Medien mit­ge­teilt wird, was sie den­ken soll. Anders als Jür­gen Haber­mas glaubt, eman­zi­piert sie sich erst im Inter­net.
  • Wolf­gang Michal » Bur­nout im Netz? - – alles, was bis­her pas­siert ist, war nur das Auf­wärm­trai­ning vor dem Start, das Sich-Ausprobieren, das Üben, das Vor­spiel. Jetzt wird es ernst.
  • Nicht NRW, Ber­lin ent­schei­det – Käme bei einer Neu­wahl 2012 eine rot-grüne Mehr­heits­re­gie­rung zustande, könnte sie gleich zu Beginn der neuen Legis­la­tur­pe­riode die unver­meid­ba­ren Grau­sam­kei­ten bege­hen, ohne befürch­ten zu müs­sen, sofort abge­straft zu wer­den. Bei der nächs­ten regu­lä­ren Land­tags­wahl 2017 wären die Kür­zun­gen längst ver­ges­sen und ver­ge­ben.
  • Wäh­rungs­re­form for Dum­mys – Dummy: Kannst nen 10ner wech­seln?<br />
    Taddi: Was willst Du denn mit dem Wech­sel­geld, ist doch bald eh nix mehr wert. Pass auf wir ma­chen es so, du gibst mir den 10ner, und über­nimmst den nächs­ten Monat die Shakes, und wenn die D-Mark nächs­ten Monat kommt, zahle ich dir alles zum Wech­sel­kurs zu­rück.<br />
    Dummy: Cool, ne win win Si­tua­ti­on.
  • Jeder achte Jugend­li­che lei­det unter Sozi­alp­ho­bie – Ser­vice – sueddeutsche.de – Etwa jeder achte Jugend­li­che hat einer Stu­die zufolge Angst vor ande­ren Men­schen. «Soziale Pho­bien sind bei Her­an­wach­sen­den zwi­schen 14 und 20 Jah­ren weit ver­brei­tet», berich­te­ten Frank­fur­ter Psy­cho­lo­gen am Mon­tag.
  • Grünen-Konkurrenz Pira­ten­par­tei: Ups, die sind ja gefähr­lich! – taz.de – Der sen­sa­tio­nelle Erfolg der Pira­ten alar­miert die Grü­nen: Sie bekom­men im lin­ken Lager Kon­kur­renz, die auf die glei­che Kli­en­tel zielt – aller­dings ohne Frau­en­quote.
August 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Jul    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Vor 5 Jahren