Sind wir alle SPAM?

Hele­ne Hege­mann wird beim Pla­gi­ie­ren ertappt und ant­wor­tet, es gebe eh kei­ne Ori­gi­na­li­tät mehr, nur noch Echt­heit. Bernard-Henry Lévy wird das unpro­fes­sio­nel­le Zitie­ren einer von ihm nicht erkann­ten fik­ti­ven Figur nach­ge­wie­sen und er meint, sie trä­fe so sehr den Punkt, dass das wich­ti­ger sei als, dass sie eine fik­ti­ve Figur ist. Und in Ber­lin fliegt ein Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter mit fal­schem Dok­tor­grad auf und meint, es sei doch eigent­lich nichts gewe­sen.

Ist das so? Ist das Kopie­ren von Leis­tun­gen oder Leis­tungs­ti­tel ande­rer heu­te das, was in frü­he­ren Zei­ten die­se Leis­tun­gen aus­mach­te? Pablo Picas­so wird ein­mal so zitiert, dass er gemeint habe, unter den Men­schen gebe es heu­te mehr Kopi­en als Ori­gi­na­le. Das beinhal­tet aber, dass es noch Ori­gi­na­le gibt. Aber die Stel­lung­nah­me ist ja auch schon alt.

Die oben ste­hen­den Per­so­nen müss­ten aber tat­säch­lich Ori­gi­na­len ihren Rang abspre­chen, damit ihrer Posi­ti­on rich­tig ist. Es dürf­te kei­ne Schrift­stel­ler geben, die etwas neu­es erschaf­fen, kei­ne Phi­lo­so­phen, die neue For­schungs­leis­tun­gen her­vor­brin­gen, kei­ne Pro­mo­ven­ten, denen eine Wei­ter­füh­rung ihrer Wis­sen­schaft gelingt, so daß ein Dok­tor­grad etwas ande­res ist als eine bür­ger­li­che Ver­a­de­lung.

Das ist so unplau­si­bel wie nach­weis­lich falsch. Aber natür­lich gibt es, wie Picas­so es for­mu­liert haben soll, Men­schen die Kopi­en sind. Und wor­an soll­ten die­se Men­schen an ande­ren Men­schen Din­ge ent­de­cken, die nicht kopiert sind, wenn das das Ein­zi­ge ist, was sie so ken­nen?

Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te kann eine Brief­kas­ten­fir­ma nicht von einer Uni­ver­si­tät unter­schei­den, Lévy hat es auf­ge­ge­ben, wis­sen­schaft­lich zu for­schen, bevor er jeman­den zitiert, und Hege­mann sind Phi­lo­so­phen, die in ihrem Werk vor­kom­men, auch gänz­lich unbe­kannt — genau­so wie Stel­len ihres eige­nen Buches.

Es eint sie, dass sie das nicht als Feh­ler bezeich­nen wol­len. Und es wird span­nend zu beob­ach­ten sein, wie man gesell­schaft­lich auf die­ses Ver­hal­ten reagiert.

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