Was ich noch sagen wollte… zur neuen Kommentarfunktion im heute-journal

Ich muss sagen, ich ver­ste­he das Kon­zept des heute-journals immer weni­ger: In Glanz­zei­ten war es das kri­ti­sche Gegen­stück zu den tages­the­men, die sich in Anleh­nung an ihre ZDF-Verwandschaft inzwi­schen auch klein schrei­ben, das durch freund­li­che­re Far­ben und offe­ne­re Mode­ra­tio­nen immer etwas modern­der daher kam. Aber die­ses Lege­re hat sich in Flap­sig­keit gewan­delt: Das heute-journal ist inzwi­schen ein kru­der Misch­masch aus Maga­zin und Nach­rich­ten­dar­stel­lung.

Aber die ARD ist mit Caren Mios­ga und ihrem Kicher­an­fall beim Inter­view mit Olaf Scholz ja auch schon auf dem bes­ten Weg in den Bou­le­vard. Beim heute-journal hat man sich nun wohl irgend­wann gedacht: Na, also, so wie die ARD Kom­men­ta­re zum The­ma Gut­ten­berg ver­sem­meln kann, so krie­gen wir das auch noch gera­de hin, und schick­ten ihre Redak­ti­ons­lei­te­rin ins Ren­nen:

Ja, gibt es denn nie­man­den, der da die Tex­te der Spre­cher mal gegen­liest, bevor die über den Äther gehen? Es ist ja bekannt, dass sich die ZDF-Journalisten schwer tun mit dem Inter­net, seit­dem Robert Basic und Alex Kahl mal ein­ge­la­den wur­den, um Claus Kle­ber Twit­ter zu erklä­ren. Hät­ten Sie doch auch mal wen ein­ge­la­den, um ihnen Face­book zu erklä­ren!

Die Grup­pe, von der die Redak­ti­ons­lei­te­rin hier spricht hat inzwi­schen zwar 245.000 Klicks auf den Gefällt-mir-Button von Face­book ein­ge­sam­melt, nur ist die Fra­ge, wie der­ar­ti­ge Klicks über­haupt zustan­de kom­men. Denn bei Face­book steht nur die blo­ße Zahl. Ob dahin­ter rea­le Per­so­nen ste­hen, ist unklar.  Um über­haupt in die­ser Grup­pe etwas schrei­ben zu kön­nen, müs­sen Facebook-Benutzer auf den Gefällt-mir-Knopf drü­cken. Durch eine Mit­glied­schaft wird daher nicht gleich­zei­tig eine Guttenberg-Unterstützung aus­ge­sagt. Die Reak­tio­nen auf Ein­trä­ge die­ser Grup­pe sind zudem für eine sol­che gro­ße Grup­pe unver­hält­nis­mä­ßig gering. Ob die Grup­pen­mit­glie­der alle­samt aus Deutsch­land kom­men, weiß auch nie­mand. Und in Zei­ten, in denen man sich der­ar­ti­ge Klicks auch schlicht kau­fen kann, ist die Zahl der Grup­pen­mit­glie­der als sol­che ziem­lich aus­sa­ge­los.

Von die­ser völ­lig unkri­tisch akzep­tier­ten Zahl nun dar­auf zu schlie­ßen, dass die “Inter­net­ge­mein­de”, was immer das sein soll, hin­ter Gut­ten­berg stün­de, ist nun völ­lig am The­ma vor­bei. Was sind schon 245.000 Klicks gegen die Gesamt­zahl der Inter­net­ver­wen­der oder auch nur die der deut­schen Facebook-Benutzer?

Mög­li­cher­wei­se ist die Redak­ti­ons­lei­te­rin also in ihrer Krit­ki­klo­sig­keit gegen­über Infor­ma­ti­ons­quel­len — die angeb­li­che Infor­ma­ti­on über Bevöl­ke­rungs­zu­stim­mung hal­te ich eben­so für mani­pu­lier­bar — auf ein Pla­gi­at her­ein­ge­fal­len, wie pas­send.

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